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MIT OFFENEN AUGEN

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2007 Sommertreffen der Globetrotter


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Spektakuläres vom Gipfel 2007


Klatsch, Insider-Tipps, Scharfsehen und das Alter


Armin Mildner


Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Nach Aussagen des Vorstands angeblich schon Monate zuvor. Als Annette – voll angetan von Andreas A. und dessen literarischen Qualitäten – ihren Coup plante und den Programmpunkt Lesung auf der dzg-Jahresfete ins Leben rief, mischte sie damit die gesamte Führungsriege auf.


Die letzten zwei Tage vor diesem Gipfel, an der Frühstücks-Tafelrunde des Vorstands, wurde ein erlesener Kreis von Insidern Zeuge von Annettes herzergreifendem Einsatz für Andreas A. (Man munkelte, dass sogar Annettes drastische Gewichtsreduzierung letztlich durch den Kontakt mit Andreas A. zu Stande kam.)


Die Spannung stieg. Annette steckte das Adrenalin in den Adern: „Oh, er kommt, ich halte es nicht mehr aus …“ Plötzlich die offizielle Botschaft: Podest! Ohne Podest tritt dieser Mann – einer von diesem Literatenkaliber, mit Preisen überschüttet – nicht vor’s Volk, liest kein Wort! Je preiser gekrönt, desto durcher gefallen (Zubin Mehta)?? Sonja sinngemäß: »Der spinnt doch! Sind wir hier in der Kirche?« Erlösung für Annette: Podest da! Muss nur noch aufgestellt werden. Wer hilft? Als mein Name fällt, Sonja zu mir: »Du bleibst hier, der kann sein Podest selbst aufbauen!«


Samstag. Offizieller Gipfel. Annette wird immer kribbeliger, hübscht sich auf – wie Glitli, aus der Schweiz angereist, zu sagen pflegt – wechselt fünfmal am Tag das Outfit. Wie wird sie IHM wohl gegenübertreten, fragen sich viele.


Ich gehe mittags ins Hallenbad von Hachenburg, schwimmen, duschen und entspannen. Man leidet ja richtig mit, bei solchen Aufregungen, denn es gab nur noch das Thema Andreas A., der inzwischen auf dem dzg-Campus allgemein Podest Altmann
hieß.


Auf meinem Rückweg, schon auf der großen Wiese, setzt Regen ein. Hinter mir plötzlich mehrmals eine fremde Stimme: »Jetzt aber schnell, junger Mann!« Endlich einer der mich richtig sieht, denke ich. Der Fremde rennt an mir vorbei. Unter dem Pavillon von Klaus & Ellen, Matthias & Anne … suchen wir beide Schutz vor dem Regen. Noch (er)kennt ihn keiner, den man-in-black. Der quasselt drauf los. Er fragt mich ob ich der Norbert sei. Nein, bin ich nicht. Die Ähnlichkeit mit dem Cover auf dem Buch getrieben … Dann – für ihn sehr wichtig – wie viele hier seien? 150, schätzt Matthias. Könnte es sein, dass Andreas A. eine Lesung vor 20 Interessierten als Entwürdigung empfindet? Nun bin ich mir sicher und frage: »Bist du der Altmann mit dem Podest?« Er ist es! Der Kreis, in dem er sich gerade befindet, konterkariert schnell ein paar von Annette verteilten Vorschusslorbeeren. Auch ich finde, man kann mit uns dzglern ruhig auf gleicher Augenhöhe reden. Andreas A. fühlt sich möglicherweise etwas ungeliebt unterm Pavillon und stiefelt weiter zur Anmeldung, dabei direkt in die Arme von Sonja. Das zeigt Wirkung. Andreas A. wird später bei seiner Lesung das Podest meiden wie der Teufel das Weihwasser. Das konnte dann auch Annette nicht mehr ändern. Die moderierte im vollbesetzten Zelt zusammen mit Dieter den Auftritt von Andreas A. in nun doch recht unspektakulärem Outfit. Ihre silbernen Dancing-Ballerinas blieben jedenfalls in ihrem Hexenmobil.


Und die Lesung selbst?


Ich habe noch nix von Andreas A. gelesen, doch die vorgetragenen Auszüge aus seinem letzten Buch Der Preis der Leichtigkeit: vom Feinsten! Deshalb gab’s auch von mir als Erstem Applaus bei der Lesung. Das Publikum war ebenfalls beeindruckt. Nachdenkliche Gesichter, der Autor trifft ins Schwarze. Bei der anschließenden Diskussion konterte er mit Witz geschickt kritische Fragen. Nur seine Zweifel am Satz Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte konnten mich nicht überzeugen. Beschreibe zum Beispiel ein Gesicht. Das Bild ist erfasst und gespeichert im Sekundenbruchteil. Zudem sind auch Worte stets subjektiv – Bilder selbstverständlich auch. Der Wahrheit können wir uns nur annähern, auf unterschiedlichste Weise, gepachtet hat die Wahrheit keiner.


Nach zwei Stunden war der große Auftritt vorüber.


Auch Annette hat’s überlebt! Sogar als sie anschließend aus meinem Wohnmobil fiel, nachdem sie nur wenige Minuten darin mit mir und Andreas A. verweilte – überwältigt von so viel Pracht. Annette verließ also rückwärts meinen Wagen, trat ins Freie und knallte aus über einem halben Meter Höhe ungebremst auf den Rücken. Bereits zuvor konnte man befürchten, dass das Großereignis Lesung
Annettes Belastungsgrenze sprengen würde, nach dem Gipfel war dies umso mehr der Fall. Man kennt das von den Bergsteigern. Nach jahrelanger Vorbereitung und dem tatsächlichen Meistern des Unmöglichen kommt die innere Leere, man fällt in ein Loch. Aber wer Annette kennt weiß, die ist zäh und gibt nicht auf, selbst wenn sie wie ein Maikäfer im Gras auf dem Rücken liegt! Annette, Gratulation! Die Lesung war ne tolle Idee!


Als letzter der dzgler hab ich IHN gesehen! In Begleitung einer/seiner Freundin. Zu Fuß. Dort, hinter der Wiese, wo der Regen eingesetzt hatte, entschwand er meinen Augen. Der Himmel war leider verhangen, die Himmelsrichtung auch verkehrt, sonst wäre er wohl vor dem untergehenden Sonnenball, dem Horizont entgegen gewandert


Was für ein grandioses Sommertreffen


… der dzgler! Und was für ein Programm: Diavorträge bis zum Abwinken, Lesung, Dia-Ratespiel, Geländespiel, Salsa-Seminar, sogar Kennenlern-Workshop, mit interaktiver Einmischung (früher war das ein schlapper Händedruck für Neumitglieder), dann Lagerfeuer, Mitgliederversammlung, Flohmarkt, Bücherverkauf, Reiseflohmarkt, handgemachte Livemusik, dazu noch Kuchenbüfett, asiatische Küche, brasilianische Drinks usw. Die Eigeninitiativen nehmen zu, mit großem Erfolg, und machen Spaß! Und die Neumitglieder wurden nicht „im Regen“ stehen gelassen. Doch man hätte mich über die Feinheiten vorher informieren können:


Es gab eine 3-D-Diashow. Die hab ich voll verpasst – kenn’ ja 3-D-Bilder. Als ich kurz ins Zelt schaue: Models, nackig, bodygepainted, voller Busen! D r e i d i m e n s i o n a l! Und ich hab keine 3-D-Brille auf! Alles unscharf! Schei…! Ich ärgere mich noch heute. Als ich das erzähle, gibt’s von der Damenfront gleich ’nen Anschiss: »Spanner!« Dann aber O-Ton Sonja zu Petra: »Wie, du schaust bei Männern nicht auch auf den Po


Vorgeschichte:


Fremde Person, gerade angekommen, stiefelt vorbei.


Ich: „Ja das ist der Podest –A..


Marie-Luise und Sibille neben mir: »Nicht schlecht das Brötchen!«


Ich: »What?«


Marie-Luise: »Na der Po!«


Ich: »??!! --.«


Später beide: «Inszenierter Auftritt!«


Ich: «What?«


Die Mädels: »Na, zumindest das mit der Hose.«


Ich, mal wieder keine Ahnung, schüttele den Kopf.


Marie-Luise: »Wie, das weißt du nicht, wie man sein Brötchen tunen kann!«


Ich: »???«


Marie-Luise.: »Die Hose eine Nummer größer kaufen, mit Gürtel zusammen ziehen, dann rutscht sie mehr in den Schritt, betont den Po.«


Sibille: »Das wirkt aber nur bei großen schlanken, schlaksigen Typen!«


Marie-Luise streckt mir wortlos ihre süße Rückseite leicht gebückt entgegen, will heißen: so muss das aussehen.


Ich: »Mädel, setz dich, die Nummer ist mir zu heiß!«


Kinders, ich sag Euch, die wirklichen Insider-Tipps, die einen im Leben auf die Überholspur bringen, gibt’s nur auf der dzg-Jahresfete.


Allerdings,


… die wirklich wichtigen Themen traut sich keiner anzupacken, zum Beispiel: wie werde ich mit dem Alter fertig. Die meisten kennen das inzwischen, schließlich steigt das Durchschnittsalter der dzgler ständig:


Da springst du als Mann morgens gestärkt aus den Federn, glaubst, beim Blick in den Spiegel doch noch jedes Teenie becircen zu können, bis du feststellst, du hast ja keine Brille auf …


Deshalb liebe ich inzwischen Frauen mit Lesebrille. Wenn man ihnen die abnimmt, hat man beim Schmusen gewonnen, scheint für die einem Jungbrunnen entsprungen. Früher war meine Parole: Frau mit Brille, mein letzter Wille! – Wie man doch im Laufe der Jahre tolerant wird … Eigentlich ist es ja eine Sünde, sich solche Scharfseher auf die Nase zu setzen. Geplant war vom lieben Gott, dass sich auch die Alten noch hübsch, knackig, fast faltenfrei finden – eben ohne Brille! Vielleicht dienen die Gucker aber auch der Erziehung. Wer nämlich mit Youngstern flirtet, lernt beim Blick mit Brille in den Spiegel schnell, warum er bei denen schlecht landen kann, auch wenn er im Kopf noch so jung geblieben ist: Die Jungen brauchen nämlich meist kein Augentuning, die haben Adleraugen, und da siehst du halt mit 55 wie ein Gruftie aus – vergesse ich auch manchmal.


Zurück zum Gipfel


… und dem immer voller werdenden Programm und Angebot. Wenn das so weiter geht, findet der Kontakt untereinander nur noch beim Bauchtanz, beim Reiki, im Malkurs und dergleichen statt. Alles in Mode. So gab’s schon auf dem 29. (!!!) Asia-Treff in der Schweiz, Pfingsten 2007, im Rahmenprogramm, unter anderem so Fühl-dich-wohl-Thai-chi-Übungen,
bei denen ich als einziger männlicher Teilnehmer unter mehr als einem Dutzend Frauen, allerdings nur zwanzig Minuten lang, mitgemacht hatte. Durch die lobenden Worte: »Mutig, als einziger Mann!« wurde ich unsicher und blieb nur kurz.


Nicht, dass wir in wenigen Jahren auf der Jahresfete nur noch von einer Performance zur anderen rennen und der persönliche Plausch hier und da kaum noch möglich ist. Denn, wer am Ball bleiben will, braucht wirkliche Insidertipps! Siehe oben, Brötchen-Tuning.


Die dzg-Feten im Wandel? So tagte der Vorstand diesmal im noblen Senioren-Hymermobil (von Ullas Eltern). Vor Jahren undenkbar.


Wir werden reifer. Das Durchschnittsalter der dzgler steigt – besorgniserregend. Überalterte Gesellschaft auch in unseren Reihen!


Die Jungen finden kaum ihresgleichen: »Überall nur alte Säcke!« Und wer jung aussieht und nicht die Eigeninitiative ergreift, hat’s nicht leicht. So hadert die hübsche 29jährige Geologin Astrid (frisch eingetreten) mit ihrem Schicksal, da sie wie gerade mal 20 aussieht.


Ich zu Astrid: »Nix dabei für dich, bei den Studenten aus Berlin, die gerade Feldforschung an uns Globi-Oldies vornehmen?« (Angehende Ethnologen aus Berlin waren tatsächlich anwesend! Wahrscheinlich haben die in Afrika keinen neuen Stamm für ihre Forschung mehr gefunden.)


Astrid: »Die sind doch gerade mal 20!«


Ich: »Und du?«


Astrid: »29. Würde lieber älter aussehen!«


Ich: »???!«


Sweety, ich möchte mit Dir tauschen, ausgestattet mit dem größten Kompliment der Natur! Mit 50 aussehen wie 30. Ich bin 55 und überlege mir bereits, meinen nächsten Rio-Besuch mit einem Komplett-Facelifing zu verbinden, und Du willst gerne älter erscheinen! Warte noch ein paar Jahre, oder setzt Dich öfter in die Runde der Globies meiner Altersklasse. Die diskutieren schon über die Pflegestufe Eins, über Wohnmobile mit Treppenlift oder überlegen wo sie demnächst eine preiswerte Pflegekraft finden. Einer fand bereits einen Prospekt im Briefkasten: Essen auf Rädern! Und mir wird prognostiziert: »Deine Traumfrau findest Du noch! In wenigen Jahren. Die ist dann jung und knackig und wird mich mit den Worten aufbauen: So, Herr Mildner, dann wollen wir mal den Katheter legen, damit sie mal richtig Dampf ablassen können.« Ich sag dir, das tut weh, nicht, dass man vor dem Discobesuch deinen Ausweis sehen will!


Ehrlich,


es war toll, dieses Jahrestreffen. Sogar eine Spur von Wehmut beschlich mich bei der Abfahrt. Nicht ganz so schlimm wie noch vor Jahren, wo ich richtig betrübt war, weil das nächste Treffen erst in einem Jahr … Nein, das nächste Treffen gibt’s im August bei Rudi Kleinhenz, dann im Herbst in Ferschweiler, dann im Winter …


Zu guter Letzt:


Ich geb’s ja zu. Bin 'ne faule Socke, wenn ich bedenke was das Orga-Team am Hals hatte. Vom Feuerholz besorgen bis zum Kloputzen und Müll sammeln, was nicht für jeden selbstverständlich ist. Zelt, Bierstand, Platz, Anmeldung, Promis kontakten, PR machen, Presse betreuen usw. Danke all den eifrigen Helfern! Ich werde für mein Teil zumindest über die spektakulärsten Ereignisse berichten. Außerdem wird im nächsten Jahr das Wetter wesentlich besser. Versprochen!





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