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In Troja ist kein Zimmer frei
Norbert Lüdtke, 16.05.2004
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TONY PERROTTET
Bildungs- und Vergnügungsreisen in der Antike
1. Auflage, Aus dem Amerikanischen von Karin Schuler und Enrico Heinemann (=Route 66 A.D. …), München: Blessing 2002. Pappband mit Schutzumschlag 13,5x 21,5 cm: 512 Seiten, Textabb. 24,60 €
Zeittafel, Who is Who in der Welt der Antike, Quellen
Flott und unterhaltsam geschrieben, mit leichter Ironie und Gags nicht scheuend, nicht belehrend und damit erfrischend sich von Sachbüchern unterscheidend. Der Autor verbindet eigene Reiseerfahrungen mit antiken Zitaten, assoziiert zu privaten Erlebnissen historische Begebnisse. Das fördert die Leselust, wirkt aber »amerikanisch«, denn ein deutscher Autor würde viel ernster bei der Sache bleiben [siehe das im Trotter 96 besprochene Werk von MARION GIEBEL: Reisen in der Antike]. Perrottet reist mit seiner schwangeren Frau und wechselt zwischen dieser privaten Ebene hin zur Rechercheebene für das Buch. Das bringt den Autor und seine Situation dem Leser näher, macht ihn vertraut. Der Leser sieht sich konfrontiert mit redundanten erzählerischen Inhalten, also eher einem kunstvoll gebundenen, denn einem straffen roten Faden.
Die wesentliche Botschaft wird vielfach variiert und zitiert, sie lautet: Die Römer waren weder bessere noch schlechtere Touristen als wir, sie hatten ähnliche Interessen. Wer ergebnisorientiert liest und einen dichten Informationsschub erwartet, ist daher vielleicht enttäuscht. Dafür wird der Leser durch bildhafte, erzählende Passagen entschädigt, die sich auch kurz vor dem Einschlafen noch verdauen lassen. Die letzten Sätze des Buches: »Unsere Reise war zu Ende. Eine andere hatte gerade, mit einem lauten Schrei, begonnen. Und, ach ja, die Geburt war ein Kaiserschnitt.«
Etwa die Hälfte der Abbildungen ist historisierenden Filmen entnommen, spiegelt also eher publikumswirksame Vorstellungen der Antike als die Antike selber. Das kommentierte Quellenverzeichnis ist deutschen Verhältnissen gut angepaßt worden. Leider gibt es kein Register. Zeittafel und das »Who is Who« finde ich in diesem Zusammenhang eher entbehrlich.
NORBERT LÜDTKE & ARCHIV ZUR GESCHICHTE DES INDIVIDUELLEN REISENS WWW.REISEGESCHICHTE.DE
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